WordPress Backend: Einstellung der Website-Sprache

Die Muttersprache von WordPress ist Englisch. Wenn Sie mit WordPress eine deutschsprachige Website bauen wollen, dann ist das zwar möglich, aber nicht immer ganz problemlos. Dieser Artikel zeigt, wie die Lokalisierung einer WordPress-Website gelingt und wie man bei Bedarf englische Texte selbst übersetzen kann.

Wenn Sie WordPress von www.wordpress.org herunterladen und ohne weitere Anpassungen installieren, dann haben Sie eine rein englischsprachige Website – sowohl im Frontend als auch im Backend. Zwar bietet WordPress als ersten Schritt im Installationsprozess die Möglichkeit, eine von über hundert Sprachen auszuwählen. Je nachdem, welches Theme und welche Plug-ins man danach noch installiert, ist das Resultat aber ein mehr oder weniger bunter Sprachenmix. Warum ist das so – und was kann man dagegen tun?

Was gibt es überhaupt zu übersetzen?

Ganz grundsätzlich muss man zwischen zwei verschiedenen Arten von Texten unterscheiden: dem Content und den Systemtexten.

Das kleinere Problem: Content

Content ist das, was Sie als Content Manager selbst pflegen können. Nebst Beiträgen und Seiten sind das beispielsweise die Kategorien und Schlagwörter oder die Alternativtexte von Bildern. Zudem gibt es in vielen Plug-ins Texte, welche Sie über das Backend anpassen können, beispielsweise die Feldbeschriftungen, die Bestätigungs- und Fehlermeldungen sowie die E-Mail-Texte in einem Formular-Plug-in.

Alles, was wir in diesem Sinn als Content bezeichnen, ist soweit problemlos, weil wir diese Texte natürlich in jeder beliebigen Sprache verfassen können. (Am Rande bemerkt: WordPress unterstützt nicht nur Sprachen mit lateinischen Buchstaben, sondern auch nicht-lateinische Schriften wie Kyrillisch oder Chinesisch, inklusiv von rechts nach links laufende Schriftsysteme wie Arabisch oder Hebräisch.) Hier gibt es also keine technischen Hürden. Die einzige Herausforderung besteht darin, dass man an alle Texte denkt, diese im WordPress Backend findet und auch wirklich übersetzt.

Das grössere Problem: Systemtexte

Nebst dem Content gibt es auf einer WordPress Website noch eine ganze Menge von weiteren Texten, die man als Systemtexte oder Strings bezeichnet. Diese Texte stecken in der Software und sind für den Content Manager nicht zugänglich – jedenfalls nicht im Backend.

WordPress Login-Formular
Das Anmeldeformular von WordPress: Alle diese Texte werden vom System generiert.

Nehmen wir als einfaches Beispiel die Login-Maske von WordPress. Alle Texte, die man hier sieht, kann ein Content Manager nicht anpassen, sondern sie werden vom System generiert. Und ohne weitere Massnahmen des WordPress-Administrators werden diese Texte in englischer Sprache angezeigt.

Möchte man also eine nicht-englische Website erstellen, dann besteht der erste und wichtigste Schritt darin, dass man in den WordPress-Einstellungen die Website-Sprache festlegt. Dies hat denselben Effekt, wie wenn man die Sprache bereits im Installationsprozess auswählt. Mit anderen Worten: Sie können die Website-Sprache einer WordPress-Installation auch nachträglich noch ändern. Sobald Sie die neue Einstellung speichern, lädt WordPress die notwendigen Übersetzungen nach, und schon erscheint die obige Login-Maske in der gewünschten Sprache.

Dieses geniale Prinzip hat leider in der Praxis einen Haken: Systemtexte gibt es nicht nur im WordPress-Basissystem (dem «Core»), sondern auch in jedem Theme und in jedem Plug-in. Und wenn Sie im WordPress Backend unter Einstellungen > Allgemein eine neue Sprache wählen, dann werden zunächst nur die Systemtexte des Core übersetzt. Als zweiten Schritt müssen Sie deshalb unter Dashboard > Aktualisierungen ganz unten auf der Seite die Übersetzungen aktualisieren. Erst dadurch werden auch die sogenannten Language Packs für die installierten Themes und Plug-ins nachgeladen.

Wenn Sie Glück haben, dann werden nun sämtliche Systemtexte in der gewünschten Sprache angezeigt – sowohl im Frontend als auch im Backend der Website. Ihre Chancen sind allerdings klein, weil längst nicht alle Themes und Plug-ins in alle Sprachen übersetzt sind. In diesem Fall müssen Sie selbst Hand anlegen – und dabei gibt es verschiedene Vorgehensweisen.

Mit Fallback-Sprachen arbeiten

Nehmen wir an, Sie möchten eine Website in norwegischer Sprache erstellen. Allerdings sind einige Plug-ins, die Sie dafür verwenden möchten, noch nicht ins Norwegische übersetzt – wohl aber ins Schwedische, das Norweger zur Not ebenfalls verstehen.

Leider funktioniert WordPress in dieser Beziehung recht simpel: Solange das Language Pack in der konfigurierten Website-Sprache nicht vorhanden ist, greift es immer auf die englischen Texte zurück. Allerdings gibt es Plug-ins, dank denen man alternative Fallback-Sprachen konfigurieren kann. Nebst Language Fallback ist insbesondere Preferred Languages interessant, denn hier kann man nicht nur eine, sondern mehrere Alternativsprachen wählen. Im obigen Beispiel könnte man also festlegen, dass WordPress der Reihe nach die norwegische, die schwedische und die dänische Übersetzung zu laden versucht, bevor es im Worst Case die englischen Texte anzeigt.

Auswahl der bevorzugten Sprachen im WordPress Backend
Auswahl von mehreren Fallback-Sprachen mit dem Plug-in «Preferred Languages»

Dies ist insbesondere für deutschsprachige Websites interessant, weil es hier insgesamt fünf verschiedene Varianten (sogenannte Locales) gibt. Einerseits besteht die Wahl zwischen der formellen und der informellen Ansprache («Sie» bzw. «Du»), andererseits stehen länderspezifische Varianten für Deutschland, Österreich und die Schweiz zur Verfügung.

KurzbezeichnungLandAnrede
de_DE informalDeutschland«Du»
de_DE formalDeutschland«Sie»
de_CH informalSchweiz«Du»
de_CH formalSchweiz«Sie»
de_ATÖsterreich«Du»
Übersicht über die verfügbaren deutschsprachigen Locales für WordPress

Gerade wer seine Website an den Schweizer Sprachgebrauch anpassen und seine Zielgruppe höflich siezen möchte, kämpft mit dem Problem, dass viele Language Packs für «de_CH formal» fehlen, während sie aber für «de_CH informal» oder «de_DE formal» sehr wohl vorhanden wären. Dank Preferred Languages kann man exakt festlegen, auf welche deutschen Locales WordPress in einem solchen Fall ausweichen soll.

Lokale Language Packs erstellen

Fallback-Sprachen sind schnell eingerichtet, aber letztlich nur eine Notlösung. Wer die perfekte Lösung sucht, muss fehlende Language Packs zwangsläufig selbst erstellen. Dies kann man entweder lokal auf der eigenen WordPress-Installation erledigen – oder aber auf der zentralen Übersetzungsplattform der WordPress-Community. Schauen wir uns zuerst die lokale Methode an.

Language Packs liegen normalerweise im Verzeichnis /wp-content/languages/ bzw. im Unterverzeichnis /themes/ resp. /plugins/. Der Dateiname verrät, um welche Übersetzung es sich handelt: akismet-de_CH.mo beispielsweise übersetzt das Plug-in Akismet auf Deutsch (Schweiz), während twentytwenty-ar.mo die arabischen Texte für das Theme Twenty-Twenty enthält.

Nebst der Datei mit der Endung *.mo gibt es eine gleichnamige Datei mit der Endung *.po. Erstere ist eine binäre Datei, die von WordPress genutzt wird – letztere ist eine Textdatei, mit der Übersetzer arbeiten. Um eine Übersetzung zu erstellen bzw. anzupassen, öffnet man die PO-Datei in einem geeigneten Editor (z.B. Poedit), übersetzt die darin enthaltenen Texte und generiert am Schluss eine MO-Datei.

Glücklicherweise muss man sich nicht die Mühe machen, einen Editor zu installieren und dann die Dateien per FTP vom/auf den Webserver zu laden. Das Plug-in Loco Translate erlaubt es nämlich, Language Packs direkt im WordPress Backend zu erstellen und zu pflegen. Dieses komfortable und verlässliche Plug-in gehört zur Standardausstattung einer jeden nicht-englischen WordPress-Website.

Lokale Übersetzungen mit Loco Translate haben lediglich drei Nachteile:

  • Erstens muss man genau wissen, wo man die Übersetzungen speichert, damit sie bei der nächsten Aktualisierung des entsprechenden Themes bzw. Plug-ins nicht überschrieben werden.
  • Zweitens steht das so erstellte Language Pack lediglich auf der betreffenden Website zur Verfügung. Möchte man es auch für andere Websites nutzen, muss man doch wieder einen FTP Client bemühen und das Language Pack von Hand transferieren.
  • Und drittens muss man so die ganze Übersetzungsarbeit alleine leisten, statt dass man von anderen Übersetzern mit Rat und Tat unterstützt wird.

Übersetzungen auf translate.wordpress.org pflegen

Wenn man Loco Translate beherrscht, dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zu translate.wordpress.org: Auf dieser Plattform werden die Language Packs aller Themes und Plug-ins (soweit sie über das zentrale Repository vertrieben werden) durch die WordPress Community gemeinschaftlich gepflegt. Das Ganze basiert auf GlotPress, einem weiteren Editor für PO/MO-Dateien, der recht ähnlich funktioniert wie Loco Translate.

Auf dieser Plattform kann jede(r) Übersetzungen beisteuern, man benötigt lediglich ein Login. Die Qualitätssicherung erfolgt durch Translation Editors, welche die Übersetzungen ggf. überarbeiten und danach freischalten. Freigeschaltete Übersetzungen werden dann automatisch von allen WordPress Website dieser Welt heruntergeladen, welche das entsprechende Theme bzw. Plug-in in der jeweiligen Sprache nutzen – natürlich auch von der eigenen Website. Ein geniales Prinzip, das in der Praxis auch sehr zuverlässig funktioniert.

Wer also selbst Übersetzungen für WordPress erstellt, sollte wenn immer möglich die Plattform translate.wordpress.org nutzen. Weiterführende Informationen findet man im Translator’s Handbook; wer speziell für die Schweizer Locales übersetzen möchte, sollte zudem diese Hinweise beachten.

Notebook-Computer mit der Website wordpress.org

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