Die wichtigsten Neuerungen von WordPress 6.1

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Am 1. November 2022 wurde WordPress 6.1 veröffentlicht. Das dritte grosse Release des Jahres bringt zahlreiche Verbesserungen im «Gutenberg» Block Editor, vor allem aber neue Template-Typen im Site Editor. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten Neuerungen – und er beantwortet die Frage, ob Sie auf die neuste Version upgraden sollten.

Global Style Variations im «Twenty Twenty-Three» Theme

Traditionsgemäss wird WordPress 6.1 mit einem neuen Theme ausgeliefert, das den Namen des Folgejahres trägt. «Twenty Twenty-Three» ist ein Block Theme, d.h. man kann Seiten-Templates visuell über den Site Editor erstellen. Wer also im Moment noch ein Classic Theme nutzt, bekommt hier die Gelegenheit, den Site Editor auszuprobieren. Dieser ist zwar immer noch als «Beta» gekennzeichnet, hat aber mit WordPress 6.1 wesentliche Fortschritte gemacht (siehe unten).

Vorschau des Twenty Twenty-Three Themes in WordPress 6.1
Das neue Standard-Theme «Twenty Twenty-Three» zeigt, wie Global Style Variations funktionieren.

«Twenty Twenty-Three» demonstriert insbesondere das neue Konzept der «Global Styles». Indem man im Site Editor einen der insgesamt 10 vordefinierten Styles wählt, kann man das Look and Feel der Website per Mausklick anpassen. Ein Style definiert die Farben, die Typographie, die Abstände und andere Aspekte des Designs. Theme-Entwickler haben so die Möglichkeit, mehrere Design-Varianten in ein einziges Theme zu verpacken. Falls gewünscht, kann man den gewählten Style noch individuell anpassen.

Anhand von «Twenty Twenty-Three» kann man auch erleben, was Fluid Typography bedeutet. Während sich beim traditionellen Responsive Webdesign die Schriftgrössen stufenweise an die Bildschirmbreite anpassen, geschieht dies mit Fluid Typography stufenlos. Das ist keine Besonderheit von WordPress, sondern wird durch die CSS-Funktion «clamp» ermöglicht. Neu ist lediglich, dass WordPress 6.1 Theme-Entwicklern die Möglichkeit bietet, Fluid Typography zu nutzen.

Last but not least ist «Twenty Twenty-Three» barrierefrei gemäss den WordPress Accessibility Standards.

Verbesserungen des Block Editors

Bekanntlich erfolgt die Weiterentwicklung des Block Editors zunächst im Plug-in «Gutenberg», bevor die neuen Funktionen in den WordPress Core einfliessen. WordPress 6.1 umfasst alle Neuerungen, die in den Versionen 13.1 bis 14.1 des Gutenberg-Plug-ins implementiert wurden.

Einstellungen für den Innenabstand (Padding) und den Aussenabstand (Margin) eines Blocks
Viele Blocks haben nun Einstellmöglichkeiten für Innenabstand, Aussenabstand und Rand. Bis man diese allerdings so wie hier gezeigt sieht, braucht es mehrere Klicks.

Dazu gehört, dass viele (aber nicht alle) Blocks nun detaillierte Möglichkeiten zur Steuerung des Aussenabstands (Margin), des Innenabstands (Padding) und der Ränder (Border) bieten. Allerdings sind die entsprechenden Eingabefelder nicht direkt sichtbar, sondern man muss sie erst einblenden. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber berechtigt: Denn idealerweise sind diese Parameter im Theme definiert und werden nur im Ausnahmefall vom Content Manager übersteuert.

Auch die Typografie-Optionen wurden erweitert. Insbesondere kann man nun pro Block die Schriftfamilie auswählen. Aber auch hier gilt das oben Gesagte: Das entsprechende Dropdown in den Block-Eigenschaften wird erst sichtbar, wenn man es bewusst einblendet.

Block «Zitat» mit Inner Blocks vom Typ «Bild», «Überschrift» und «Absatz»
Der Zitat-Block funktioniert seit WordPress 6.1 wie ein Container und kann beliebige Inner Blocks in sich aufnehmen.

Die Blöcke «Liste» und «Zitat» sind nun keine einfachen Blocks mehr, sondern Container-Blocks. Der Block «Liste» enthält eine beliebige Anzahl von Blöcken vom Typ «Listen-Element», während der Block «Zitat» Blöcke beliebigen Typs aufnehmen kann. Auf diese Weise kann man die einzelnen Komponenten einer Liste bzw. eines Zitats individuell gestalten und einfach umsortieren.

Der «Cover»-Block kann neu das Beitragsbild als Hintergrundbild nutzen. Das ist insbesondere dann interessant, wenn man diese Option nicht bloss in einem einzelnen Artikel, sondern in einem Template verwendet: Auf diese Weise kann man oben auf der Seite ein Hero-Element platzieren, das automatisch des Beitragsbild des jeweiligen Artikels einblendet.

Blöcke, deren Design-Optionen ausgeblendet sind
Die experimentelle Locking-Funktion «Content Only» verhindert, dass Content Managers sich am Design vergreifen.

Verbessert wurde auch das Block Locking, über das man verhindern kann, dass Blöcke versehentlich verschoben oder gelöscht werden. Einerseits gibt es die Möglichkeit, bei geschachtelten Blöcken die Einstellungen des Container-Blocks auf alle untergeordneten Blöcke zu übertragen. Andererseits kann man bei gesperrten Blöcken auch alle Design-Optionen ausblenden, sodass der Content Manager wirklich nur noch den Content bearbeiten kann. Diese Funktion ist allerdings im Moment noch experimentell und erfordert einen (einfachen) Eingriff im Quellcode.

Das Panel «Zusammenfassung» im Block Editor
Gleiche Funktionalität – kompaktere Darstellung: Das neue Panel «Zusammenfassung» vereint drei Panels in einem und sorgt für mehr Übersicht in der rechten Randspalte des Block Editors.

Eine auffällige, aber rein kosmetische Änderung betrifft die Beitrags- bzw. Seiteneigenschaften in der rechten Randspalte: Die bisherigen Panels «Status und Sichtbarkeit», «Template» und «Permalink» wurden in einem einzigen Panel zusammengefasst. Abgesehen vom missglückten Titel «Zusammenfassung» scheint mir das eine gute Lösung, denn es macht die rechte Spalte wesentlich übersichtlicher.

Sehr praktisch ist schliesslich, dass man die Listenansicht in der linken Spalte nun dauerhaft einblenden kann. Gerade bei komplexeren Seiten hilft das, die Reihenfolge und Hierarchie der einzelnen Blöcke zu verstehen und einen Block anzuwählen. Diese Einstellung wird neuerdings – wie übrigens alle Voreinstellungen, die sich auf den Block Editor beziehen – nicht mehr im Browser, sondern in der Datenbank gespeichert und gilt somit geräteübergreifend.

Neue Template-Typen im Site Editor

Der Site Editor wurde bereits in WordPress 5.9 eingeführt. Er erlaubt es, Templates für Beiträge, Seiten und Archive visuell im Block Editor zu erstellen, statt sie programmieren zu müssen. Allerdings waren diese Möglichkeiten zunächst einigermassen beschränkt, weil man nicht alle Template-Typen auf diese Weise bearbeiten konnte.

Auswahl für neue Templates im Site Editor
Der Site Editor in WordPress 6.1 stellt wesentlich mehr Template-Typen zur Verfügung.

Mit WordPress 6.1 verdient das sogenannte «Full Site Editing» endlich seinen Namen: Nun kann man so ziemlich jedes Template im Site Editor bearbeiten. Hinzugekommen sind namentlich Templates für

  • einzelne Seiten
  • einzelne Beiträge
  • einzelne Kategorien
  • einzelne Schlagwörter
  • einzelne Custom Post Types

Neu gibt es zudem «Individuelle Templates». Diese kann der Content Manager auf beliebige Beiträge oder Seiten anwenden (während die oben genannten Templates vom Administrator fix zugewiesen werden).

Verschiedene Detailverbesserungen gibt es auch beim Block «Navigation», der für Menüs verwendet wird. Allerdings ist die Erstellung und Verwaltung von Navigationen noch immer wenig intuitiv und recht umständlich im Vergleich zum «alten» Menu-Editor der Classic Themes. Es ist zu hoffen, dass wir hier bei WordPress 6.2 weitere Verbesserungen sehen werden.

Eine weitere Neuerung betrifft Classic Themes: Sofern man diese entsprechend modifiziert, kann man zumindest Template Parts (z.B. den Header oder den Footer) im Site Editor bearbeiten. Das ist eigentlich ein Widerspruch, denn Classic Themes sind ja genau dadurch definiert, dass sie nicht den Site Editor nutzen – aber praktisch ist es trotzdem.

Nicht implementiert: WebP by default

Lange bevor eine WordPress-Version ausgrollt wird, zirkulieren zahlreiche Blog-Artikel und YouTube-Videos über deren Neuerungen im Netz. Doch nicht alle diese Neuerungen schaffen es schliesslich in das finale Release.

Prominentes Beispiel dafür ist die automatische Konvertierung von JPEG-Bildern in das effizientere WebP-Format. Zwar kann man schon seit WordPress 5.8 Bilder in diesem Format hochladen und verwenden – die Konvertierung von JPEG in WebP hingegen muss man entweder auf dem eigenen Rechner oder über Plug-ins bewerkstelligen. Als nächsten Schritt wollten die Entwickler WebP als Standardformat für Bilder im WordPress Core verankern. Noch Ende Juli ging man davon aus, dass «WebP by default» mit WordPress 6.1 ausgeliefert wird. Wegen anhaltender Kritik aus der Community wurde das Feature aber im September wieder zurückgezogen.

Sollten Sie auf WordPress 6.1 upgraden?

Wie bei jedem neuen Software-Release stellt sich die Frage, ob man ein Upgrade auf WordPress 6.1 durchführen soll. Unabhängig davon, wie wichtig einem die neuen Funktionen sind, würden wir aus generellen Überlegungen ein Upgrade empfehlen. Nach unserer Erfahrung gibt es mit der Version 6.1 wenig Probleme – einzig ein Konflikt mit WPML hat wohl viele Websites kurzfristig lahmgelegt. Zudem wurde inzwischen ein erstes Bugfix Release 6.1.1 ausgerollt. Trotzdem empfiehlt es sich, das Upgrade zuerst auf einer Staging Website durchzuführen oder zumindest ein aktuelles Backup bereitzuhalten.

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