WordPress: Brauchen Sie einen Page Builder oder reicht der «Gutenberg» Block Editor?

Gutenberg Block Editor

Unsere Kunden haben die Wahl: Metoki baut Websites mit der Standard-Funktionalität von WordPress («Gutenberg» Block Editor), mit dem Divi Builder oder mit dem Bricks Builder. Diese Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen und sollte deshalb gut überlegt sein. In diesem Artikel versuchen wir, die Vor- und Nachteile dieser drei Varianten herauszuarbeiten.

Martin Sauter

Martin Sauter

Head of Consulting

WordPress: Vom Blog-System zum Web CMS

Dass wir unsere Kunden überhaupt vor diese – zugegebenermassen nicht ganz einfache – Entscheidung stellen müssen, hat historische Gründe. WordPress wurde ursprünglich als Blog-System entwickelt, und entsprechend limitiert waren seine Layout-Möglichkeiten. Denn für ein traditionelles Blog reicht eine Hauptspalte und eine Randspalte.

Das wurde zum Problem, als WordPress immer häufiger als Content Management System für «normale» Websites eingesetzt wurde. Mit dem damaligen Editor (der heute als «Classic Editor» bekannt ist) konnte man weiterhin nur simple, einspaltige Layouts bewirtschaften, deren Design durch das Theme vorgegeben war. Es gab zwar viele kreative Ansätze, um diese Limitierung zu umgehen, aber keine moderne, benutzerfreundliche Lösung.

Hier sprangen die sogenannte Page Builders in die Bresche. Sie ersetzen den Classic Editor durch eine völlig neue Benutzeroberfläche, oft mit Frontend Editing und WYSIWYG. Damit können Content Managers per Drag and Drop Webseiten frei layouten und im Detail designen. Zudem bieten sie viele vorgefertigte Module (z.B. Buttons, Bildergalerien, Sliders, Akkordeons, Testimonials, Preistabellen), die man einfach im Layout platzieren und mit Inhalt befüllen kann. Dank der Page Builders – die teilweise als Plug-in, teilweise als Theme installiert werden – wurde WordPress zu einem «richtigen» Content Management System.

Risiken und Nebenwirkungen von WordPress Page Builders

Die Entwicklung von Page Builders für WordPress ist ein lukratives Geschäft. Populäre Produkte wie Elementor, Divi oder Beaver Builder erreichen eine sechs- bis siebenstellige Zahl an Installationen. Daneben buhlen aber noch Dutzende weitere Anbieter um die Gunst der WordPress Community. Das reichhaltige Angebot hat Vor- und Nachteile: Einerseits gibt es eine grosse Vielfalt und einen gesunden Wettbewerb – andererseits nutzt fast jede WordPress Website einen anderen Page Builder, so dass man die Bedienung immer wieder neu erlernen muss.

Page Builders haben zudem den generellen Nachteil, dass sie kein integraler Teil des Systems sind, sondern nachträglich aufgepfropft wurden. Das führt nicht nur zu einer uneinheitlichen Benutzeroberfläche, sondern immer wieder auch zu Kompatibilitätsproblemen zwischen Page Builder und Basissystem oder zwischen Page Builder und anderen Plug-ins.

Zudem führen Page Builders zu einem klassischen Lock-in: Hat man seinem Website einmal mit einem bestimmten Page Builder erstellt, dann gibt es keinen Weg zurück. Weder kann man zum Standard-Editor zurückkehren noch kann man auf einen anderen Page Builder wechseln, ohne die Website mehr oder weniger neu zu bauen.

Dieser Lock-in ist dann fatal, wenn ein Page Builder nicht (mehr) in Kombination mit einem wichtigen Plug-in funktioniert. Wenn man beispielsweise seine Website mit einer zweiten Sprachversion ausstatten und dazu das populäre Plug-in «WPML» nutzen will, dann ist man zwingend darauf angewiesen, dass WPML den betreffenden Page Builder unterstützt.

Wirklich dramatisch kann es werden, wenn der Page Builder nicht mehr weiterentwickelt wird. Treten dann nämlich Inkompatibilitäten oder Sicherheitslücken auf, dann muss man seine Website von Grund auf neu erstellen – unter Umständen innert kürzester Zeit.

Ein weiterer Nachteil von Page Builders betrifft die Performance. Auch wenn es Unterschiede zwischen den einzelnen Produkten gibt: Ein Page Builder macht eine WordPress Website immer langsamer. Denn einerseits erzeugen die meisten Page Builders keine besonders effizienten Code, und andererseits verleiten die üppigen Modul-Bibliotheken dazu, häufig komplexe Elemente wie Sliders, Akkordeons u.ä. einzusetzen.

Das Projekt «Gutenberg»: Ein neuer Editor für WordPress

Natürlich war auch den Entwicklern des WordPress-Basissystems bewusst, dass der ursprüngliche Editor nicht mehr zeitgemäss war. Im Rahmen des Projekts «Gutenberg» (das insgesamt vier verschiedene Aspekte von WordPress modernisieren soll) lancierten sie deshalb einen neuen Editor, der oft als «Gutenberg Editor» bezeichnet wird, offiziell aber ganz einfach «Block Editor» heisst.

Der Block Editor bietet letztlich dieselben Vorteile wie ein Page Builder: flexible Layouts, mehr Design-Optionen und eine grosse Auswahl an vorgefertigten Modulen (die hier Blocks heissen). Im direkten Vergleich mit den etablierten Page Builders war der neue Block Editor von WordPress 5.0 allerdings ziemlich rudimentär und entsprechend unpopulär.

Seither hat sich allerdings viel getan: Nach bald vier Jahren intensiver Weiterentwicklung ist der Block Editor solide und effizient. Es gibt zudem eine grosse Auswahl an Plug-ins, welche den Block Editor mit zusätzlichen Blocks oder zusätzlichen Funktionen ausstatten, sofern man diese braucht. Und in Kombination mit dem neuen Site Editor von WordPress 5.9 wird es sogar möglich, komplette Seiten-Templates inklusive Header und Footer nach demselben Prinzip zu erstellen.

Der Block Editor ist der zukünftige Standard

Wofür also sollten Sie sich entscheiden, wenn Sie eine neue Website erstellen oder in Auftrag geben? Für den Block Editor oder für einen Page Builder?

Argumente für den Block Editor

Für den Block Editor spricht, dass er ein Teil des WordPress Core (also des Basissystems) ist. Das bedeutet:

  • maximale Kompatibilität mit Plug-ins und Themes
  • gute Performance – sowohl für den Content Manager als auch für die Website-Besucher
  • grosses Angebot an Plug-ins, welche zusätzliche Blocks oder neue Funktionalitäten implementieren
  • maximale Zukunftssicherheit

Auf der anderen Seite ist der Block Editor noch nicht so ausgereift wie ein guter Page Builder. Er bietet weder Frontend Editing noch echtes WYSIWYG, und sowohl beim Bedienungskonzept als auch beim Funktionsumfang gibt es noch Optimierungsbedarf. Allerdings darf man sich darauf verlassen, dass er intensiv weiterentwickelt und verbessert wird. Und für viele Websites bietet er schon jetzt alles, was man braucht. Wer den Block Editor nutzt, setzt auf den zukünftigen Standard und erhält ein schlankes, wartungsfreundliches System.

Argumente für den Divi Builder

Divi ist das pure Gegenteil, nämlich eine ausgereifte, leistungsfähige und in sich sehr schöne Lösung – die aber dem System einiges an Ballast hinzufügt. Solange der Block Editor noch in den Kinderschuhen steckte, war Divi die naheliegende Lösung, wenn man ein modernes Content Managent System auf Basis von WordPress wollte.

Inzwischen muss man sich aber tatsächlich fragen, ob Page Builders wie Divi eine Zukunft haben. Insbesondere der Einfluss auf die Performance ist nach unserer Erfahrung nicht zu unterschätzen. Hinzu kommt, dass man bei Divi alles auf eine Karte setzt: Weder kann man später den Page Builder wechseln, noch kann man eines der vielen Themes nutzen (weil Divi selbst als Theme implementiert ist).

Argumente für Bricks Builder

Bricks schliesslich ist ein Sonderfall. Er gehört zwar ebenfalls in die Kategorie der Page Builders und ist wie Divi als Theme implementiert. Allerdings ist er wesentlich performanter als Divi, und er verfolgt auch ein ganz anderes Konzept. Im Bricks Builder erstellt man Webseiten sehr ähnlich wie ein Entwickler – allerdings schreibt man keinen Code, sondern nutzt einen WYSIWYG-Editor. Das bedeutet, dass man seine Webseiten wirklich ganz nach Belieben gestalten und alle Möglichkeiten von HTML bzw. CSS ausnutzen kann, aber trotzdem sehr effiziente Websites baut.

Der Bricks Builder ist damit eine sehr innovative Lösung für Websites, bei denen Design und Performance gleichermassen wichtig sind. Er dürfte allerdings eher Entwickler begeistern als Content Managers – für letztere ist Bricks ganz einfach ein weiterer Page Builder, der vielleicht eine Spur technischer daherkommt.

Unklar ist auch, wie zukunftssicher Bricks ist. Das Produkt ist noch jung, und es stehen nur zwei Entwickler dahinter. Andererseits wird es intensiv weiterentwickelt, ist für sein Alter schon ausgesprochen ausgereift und hat bereits eine treue Community hinter sich. Trotzdem kann man derzeit nicht mit Sicherheit sagen, ob es den Bricks Builder in drei Jahren noch geben wird.

Eine interessante Option: Block Editor und Page Builder kombinieren

Muss man sich zwingend für eine dieser Lösungen entscheiden? Nicht unbedingt: In der Praxis hat sich auch eine Kombination aus Block Editor und Page Builder bewährt. Das bedeutet, dass man gewisse Seiten im Block Editor, andere hingegen mit einem Page Builder (z.B. Divi oder Bricks) erstellt und bewirtschaftet. Da der Block Editor bei WordPress sowieso immer dabei ist, ist das technisch problemlos möglich.

Die Idee dahinter ist, dass man komplexere Seiten mit dem Page Builder baut, einfachere dagegen mit dem Block Editor. So ist man für alle Fälle gerüstet und hat zudem den direkten Vergleich zwischen den beiden Ansätzen. Als Content Manager muss man lediglich darauf achten, dass man jeweils den richtigen Editor erwischt. Und für den Website-Besucher ist nicht erkennbar, wo welcher Editor zum Einsatz kommt, d.h. die Website wirkt trotzdem aus einem Guss.

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